Schloss Wasentegernbach

Veranstaltungshinweis für den Montag 06.09.2010 19:30

Aufstellung einer Informationstafel am ehem. Schloss Wasentegernbach und anschließender Schlossführung mit Franz Streibl

In der Reihe der Präsentationen von Adelssitzen im Stadtgebiet Dorfen stellt der Historische Kreis Dorfen, nach Schloss Kloster Moosen und Kalling, das ehemalige Schloss in Wasentegernbach vor. Es ist das dritte und letzte der Schlossbauten im Stadtgebiet deren Bausubstanz noch weitgehend erhalten ist. Vom vierten Schlossbau in Zeilhofen, das vermutlich 2011 vorgestellt wird, sind nur noch der Standort und die Außenansicht nach einem Wening-Stich bekannt.  Um interessierten Bürgern die Geschichte des Schlosses Wasentegernbach näher zu bringen, wird in Gebäudenähe eine Info-Tafel angebracht. Vorab schon einiges zur Geschichte dieses Adelssitzes (zusammengestellt von Franz Streibl).

Der Ortsname wird abgeleitet von „tegar“ für groß und „wac“ für fließendes Wasser. Zur Unter-scheidung von Grüntegernbach erhielt Wasentegernbach später den Zusatz „wasen“, welcher Grasboden aber auch Moorboden bedeutet.

791 wird erstmals in Freisinger Traditionsurkunden ein Tegarinuuac genannt. Dabei ist ungewiss, ob Wasentegernbach, Grüntegernbach oder ein Kloster Tegernbach, vermutlich bei Kirchstetten, gemeint sind.

824 ist von einem „cenobuim in loco Tegarinuuac“ die Rede. Im 10 Jahrhundert verschwindet dieses Kloster wieder. Entweder wurde es durch die Ungarn zerstört oder sein Besitz wurde für die Finanzierung des Kampfes gegen die Ungarn benötigt.

1104 tauchen erstmals Edle von „Tegerinvach“ auf. Sitz ist Wasentegernbach, das schon damals eine Wasserburg gewesen sein dürfte.

1143 gründen Wolfher von Tegernbach und seine Ehefrau Hemma von Vohburg das Kloster Raitenhaslach.

1170 wird ein Ortolf  Herr in Tegernbach. Er wird als Richter genannt.

1368 wird ein Hans Pocher als Besitzer von Wasentegernbach genannt. Er hat den Besitz vermutlich geerbt und verkaufte an Georg von Fraunberg zu Prunn.

1392 kaufe Erasmus der Laiminger zu Amerang die „Veste“ Tegernbach. Die Laiminger nennen sich Grafen von Tegernbach und bauen das Schloss prächtig aus.

1550 war Achatz von Laiming Besitzer von Tegernbach. Er war in eine Adelsverschwörung gegen Herzog Albrecht verwickelt, wurde verhaftet und musste Abbitte leisten um wieder frei zu kommen. Er wandte sich dem evangelischen Glauben zu.

1582 verkaufte Aham von Laiming Schloss und Hofmark an das fürstliche Stift Berchtesgaden. Er zog an den württenbergischen Hof. Schloss Wasentegernbach gehörte zum Reichsstift Berchtesgaden und wurde Verwaltungszentrum für die Hofmarken Wasentegernbach, Eibach. Haus und Breitenloh, später auch Grüntegernbach. Im Schloss residierten jetzt Pflegsbeamte, von denen einige in Wasentegernbach oder Schwindkirchen begraben sind.

1803 fiel  mit der Säkularisation der Besitz in Wasentegernbach an den bayerischen Staat. Der Besitz wurde zertrümmert und verkauft. Die ehemaligen Ökonomiegebäude sind heute der „Stadlbauer“. Das Schloss wurde umgebaut, die Türme und die Kapelle sind verschwunden.

1811 sind Jakob Köppelmüller und Ehefrau Magdalena, eine geborene Herrndobler, Besitzer des Schlosses. Ihre Tochter heiratete 1813 einen Franz Xaver Mayer, Karnerssohn von Katzbach. Seit dieser Zeit wohnt die Familie Mayer im Schloss.

Wappen der ehemaligen Eigentümer

Tegernbacher

Fraunberger

Fraunberger

Laiminger

Stift Berchtesgaden

Alte Ansicht des Schlosses Wasentegernbach

Erhaltene Bausubstanz des ehem. Wasserschlosses

Übergabe von Facharbeiten Dorfner Abiturienten ans Stadtarchiv

Übergabe von 19 Facharbeiten Dorfener Abiturienten ans Stadtarchiv – 26. April 2010

Eva Bauer Überblick über das Feuchtbiotop an der Theresienquelle bei Osendorf

Dorfen (1996) unter besonderer Berücksichtigung der Vegetation vom 1. Mai bis 1. Dez. 95

(Biologie – Pachmann)

Verena Eschle Die Ortsnamen im Landkreis Erding – Ein Beitrag zur siedlungs-

Dorfen (2009) geographischen Entwicklung der Heimatregion

(Geographie – Gohlke)

Tanja Greimel Josef Martin Bauer – Biografie, Verhalten im Nationalsozialismus und

Gmain (2005) Vergleich vom Roman „So weit die Füße tragen“ mit dessen Adaption

(Deutsch – Schilling)

Julia Hölldobler Motivationen der Eltern bei der Namensgebung – empirische Erhebung

Westach (2006) im Raum Dorfen, Auswertung des Datenmaterials und Diskussion

der Ergebnisse im Spiegel des aktuellen Forschungsstands

(Deutsch – Schweiger)

Muriel Lorenz Widerstand während der NS-Zeit in der Umgebung Dorfens

Oberdorfen (2009) im Vergleich zu Gesamtdeutschland

(Geschichte – Jopp)

Andrea Merz Dialekt – Hemmschuh oder Chance?

Dorfen (1999) Untersuchung des Dialektgebrauchs im Einzugsgebiet des Dorfener Gymnasiums

(Deutsch – Häußler)

Sara Renner Der Bierkrieg in Bayern 1910

Dorfen (2009) als Beispiel der sozialen Lage der bayerischen Bevölkerung

(Geschichte – Jopp)

Anna Rott Wolfgang Meier aus Hofgiebing bei Haag –

St. Wolfgang (2005) Widerstand im kirchlichen Milieu?

(Geschichte – Widmann)

Cornelia Schiller Die geschichtliche Entwicklung der Stadt- und Pfarrbücherei Dorfen

Oberhausmehring (1989) und ihr Stand im Jahre 1988

(Deutsch – Weinkauf)

Karin Strasser Theaterarbeit mit geistig Behinderten

Öd, Gde. Isen (1999) (Deutsch – Häußler)

Alexandra Unterreitmeier Amerikanische Besatzung im Landkreis Erding in der Nachkriegszeit

Dorfen (2010) (Geschichte – Meilchen)

Emanuel Emberger Kriegsende 1945 in Dorfen und Umgebung –

Inning (2009) Diskussion des Begriffs „Stunde Null“ am Beispiel Dorfens

(Geschichte – Jopp)

Sebastian Ganser Hochwasserschutz und Renaturierungsmaßnahmen im Isental

Buchbach (2007) (Geografie – Gohlke)

Stefan Häusler Die Genossenschaften in der Stadt Dorfen

Schwindegg (1990) (Wirtschafts- und Rechtslehre – Czudnochowsky)

Thomas Neumaier Sundei, Loipführer, Völkl – die unterschiedliche Geschichte

Kl. Moosen (2006) traditioneller Skifirmen aus der Region

(Geschichte – Jopp)

Markus Ostermaier Betriebsbeschreibung der Ziegelei Meindl

Kl. Moosen (1992) mit Vergleich Ziegelei Angerskirchen

(Wirtschafts- und Rechtslehre – Czudnochowsky)

Rüdiger Pötz Strukturwandel der Gemeinde Dorfen in den Jahren 1950 bis 1991

Dorfen (1992) (Wirtschafts- und Rechtslehre – Czudnochowsky)

Sebastian Schlesinger Energie und Wärme aus Gülle, Getreide & Co. –

Buchbach (2009) Landwirte im Landkreis Erding als Energieproduzenten

(Geografie – Gohlke)

Manuel Treis Lebensraum Kleinstadt – demographische und ökonomische

Taufkirchen (2009) Entwicklungstrends am Beispiel Dorfens

(Geografie – Gohlke)

Ein kleiner Vorläufer des Bierkriegs, ganz in der Nähe von Dorfen

In der Festschrift der Schützengesellschaft „Frohsinn Armstorf“ befindet sich ein interessanter Bericht über die Geschichte Armstorfs, verfasst von Josch Schlepp und Jakob Waxenberger. Dort lesen wir, dass es 1910, schon vor dem Dorfener „Bierkrieg“, auch in Armstorf zu Unruhen wegen des Bierpreises gekommen ist.

Hier das Originalzitat aus der Festschrift:

Eine wahre Geschichte aus Armstorf von 1910

„Am Sonntag den 3. Mai 1910 und am darauf folgenden Sonntag ist bei einem Bauern in Armstorf an Armstorfer Einwohner gegen Bezahlung Bier ausgegeben worden. Auch ein Umzug auf der Straße mit Musik soll stattgefunden haben. Es sollen im Garten Tische aufgestellt worden sein und ein Triumphbogen mit der Aufschrift „Armstorfer Burschenstreik hier wird Bier um 19 Uhr ausgegeben“.

Der Wirt Franz Ruhdorfer hat diese Anzeige an den Verwalter und den Gendarmerie-Posten St. Wolfgang gemeldet, er hatte Angst sie könnten auch ihm die Wirtschaft in Brand stecken, so wie in Dorfen. Er selbst hat das Bier, sowie der Meindl in Reith in seiner Kantine,  für 24 Pfennig statt 26 Pf. hergegeben.

Bericht des Gendarm Sebastian Ruland von St. Wolfgang am 3.7.1910

Diese unberechtigte Wirtshausausübung war nicht am 3. Mai sondern am Sonntag 29. Mai und spiele sich so ab:

„An diesem Tag versammelten sich infolge des Bierstreikes ca. 20 Burschen von den Ortschaften Armstor und Reith im Garten des Bauern Anton Stangl (Wagner) in Armstorf Hausnummer 104. Unter diesen Burschen befand sich auch ein Sohn des genannten Bauern Stangl, namens Joseph, welcher Tage vorher schon von jedem 50 Pfennige einhob und eben von der Brauerei Oberloher St. Wolfgang einige Fässer Bier, im Ganzen 52 Liter, nach Hause brachte. Dieses Bier wurde dann am Sonntag den 29. Mai im Laufe des Nachmittags von diesen Burschen, die 50 Pfennige geleistet hatten, getrunken. An andere Personen wurde weder gegen Bezahlung noch Gratis Bier verabreicht. Gegen ½ 6 Uhr nachmittags war das Bier zu Ende und die Burschen entfernten sich nach und nach. Bei diesem Trinkgelage spielte ein Bursche von Reith Ziehharmonika. Einen Umzug mit Musik auf der Straße veranstalteten diese Burschen nicht. 5-6 Burschen von Reith, die die Straße durch Armstorf gingen, spielte einer hiervon ungefähr 200 Schritte mit der Ziehharmonika. Streitigkeiten oder sonstige Gesetzesverletzungen kamen dabei nicht vor.“

Die Stangls kamen straffrei aus.

Diesem Bericht, der auf Nachforschungen von Jakob Waxenberger im Staatarchiv in München basiert, kann man deutlich entnehmen, dass dem Wirt von Armstorf solche bierstreikähnliche Umtriebe nicht passten und er kräftig übertreib. Der Polizist Ruhland dagegen versuchte, die Ereignisse etwas abzuwiegeln und wollte keine große Affäre daraus machen. Aber es wird deutlich, dass auf dem Lande rings um Dorfen herum die
Stimmung schon etwas aufgeheizt und angespannt war. Man kann sich recht gut vorstellen, dass diese jungen Burschen ganz gerne mitgemacht hätten, als in Dorfen handfest gegen die Bierpreiserhöhung protestiert wurde.

Diese interessante Festschrift der Schützengesellschaft „Frohsinn Armstorf“ enthält noch viele weitere und recht interessante Beiträge. Sie ist für 2 € bei Frau Hildegard Seisenberger  84427 Armstorf, Rosenstraße 1 Tel. 08081-3173 und im Vereinslokal Gasthaus Hagl Armstorf  Tel. 08081-796 erhältlich.

Jagdgeschichtliches aus Dorfen und Umgebung

Erding und der Landkreis Erding sind Mitte April Gastgeber für den Bayerischen Landesjägertag. Das ist ein guter Anlass, einmal in die Geschichte des Jägervereins Dorfen zu schauen.
Nach den 1. Weltkrieg begannen sich die Jäger in unserem Raume zu organisieren. Vorreiter waren die Jäger von Dorfen, die sich bereits im Jahre 1920 organisierten und einen „Jägerverein Dorfen“ gründeten. Der Verein gab sich eine Satzung und war im Vereinsregister eingetragen. Weil der Verein der erste Jägerverein im weiten Umkreis war, traten auch viele Jäger aus der näheren und weiteren Umgebung dem Verein bei. So waren ein Herr Pecht aus Taufkirchen/Vils und ein Herr Schiller aus Schwindegg Mitglieder der Vorstandschaft. Vorsitzender des Vereins war Josef Schödlbauer, ein Bahnbeamter aus Dorfen, ein begeisterter Jäger und Hundeführer. Es sollte dann später im 3. Reich Kreisjägermeister werden und in der Nachkriegszeit für einige Jahre Kreisjagdberater für den Landkreis Erding. Schödlbauer setzte sich für die Haltung und Abrichtung von Jagdhunden ein, wobei seine Vorliebe der Rasse Deutsch Drahthaar galt. Er berichtete über seine Erfolge oder Misserfolge bei der Hundeabrichtung und setzte sich in einer anderen Veröffentlichung für den Abschuss auch von weiblichen Kitzen ein, was damals nur in Ausnahmefällen erlaubt war. Mit seinen Ideen für den Wahlabschuss bei der Hege des Rehwildes war er seiner Zeit voraus. Die Vereinssatzung regelte das Vereinsleben, war aber darüber hinaus auch Programm. So ist dort als Zweck des Vereins zu lesen: „…….Hochhaltung und Verbreitung deutscher Waidgerechtigkeit und alten Waismannsbrauches…..Pflege des Jagdschießwesens…….Hebung der Zucht und Führung von Gebrauchshunden…….“. Auch Jagdzeitungen sollten bezogen und untereinander ausgetauscht, sowie Unfall und Haftpflichtversicherungen abgeschlossen werden. Mit der Pflege des Schießwesens machte der Jägerverein Dorfen gleich Ernst, denn schon am 9. Mai 1923 wurde ein Jagdschießen mit schönen Preisen angekündigt. Auch die Geselligkeit am nicht zu kurz, denn in den Räumen des Gasthofes „Grüner Baum“ beim Ökonomierat Georg Streibl fanden Schützenkränzchen statt. Die Räume waren mit Tannengrün und Jagdtrophäen geschmückt. Darunter war sogar ein präparierter Kuttengeier, der vor Jahren in den Gatterbergen erlegt wurde. Es gab Schießbuden und der „Wurzelsepp“ verkaufte Schnäpse. Auch am Dorfener Volksfest 1926 beteiligte sich der Jägerverein mit einer Ausstellung und einem Tontaubenschießen. Die ausgestellten Rehgeweihe wurden prämiert und die ganze Ausstellung wurde abschließend von 1. Vorsitzenden Schödelbauer kommentiert. Dabei kamen schon ganz moderne Ausdrücke vor, welche für die damalige Zeit modern waren. So sprach er von guten Vererbern, vom Altwerdenlassen der Böcke, von Kümmerern und der Hege mit der Büchse. Eine besondere Attraktion war eine lebende Fuchsfähe von Münzenloher aus Dorfen. Auch Bürgermeister Loher aus Tegernbach brachte zwei Füchse, welche aber in der ersten Nacht schon entwischten. Am Rande des damaligen Volksfestplatzes wurde auf Tontauben geschossen, zur Begeisterung der Volksfestbesucher und ganz ohne übertriebene Sicherheitsvorschriften. Ein Alptraum für die heutige Schießstandüberwachung! 1928 war es dann soweit: Der Jägerverein Dorfen bekam in Osendorf einen eigenen Schießstand. Das Eröffnungsschießen war zwar von Wetter nicht begünstigt, aber es war perfekt organisiert und alle Besucher waren begeistert von der schönen Schießanlage in eine prächtigen Naturkulisse. Auch eine Kleinkaliberschützenabteilung entstand unter der Leitung der Vereinsmitglieder Josef Streibl, Alfred Görz und Max Bierling. Sie übten auf der alten Anlage der Dorfener Feuerschützengesellschaft. Zehn Mitglieder des Vereins wurden noch im gleichen Jahre mit dem „Prinz Alfons Erinnerungszeichen am Hubertusbande“ ausgezeichnet. Im Frühjahr 1929 wurde bei den Jägern über den strengen Winter 1928/29 geklagt, der zu großen Verlusten beim Wild führte, obwohl viele Jäger damals schon fütterten. Aus einem Bericht über eine Feier zum 50. Jahr als Waidmann des Privatiers Simon Greimel aus Taufkirchen /Vils erfahren wir, dass auch in Taufkirchen ein Schießstand bestand. Diese Tradition wurde niemals aufgegeben: Heute noch wird bei Taufkirchen in Kögelreuth Trap-Tontauben geschossen und in Dorfen/Osendorf Skeet! Schön ist es auch zu lesen, dass damals die Lokalpresse den Jägern recht wohlwollend gegenüber stand und bei Verfehlungen nicht mit strengen Tadel sondern mit Spott reagierte. Ein Beicht vom 4. Dezember 1930 in der Dorfener Zeitung belegt das auf humorvolle Weise. Dorfen, 4. Dez. (Horrido!) Am Dienstag war in der Gegend der Jaibinger Mittelgebirge (vermutlich die bewaldeten Höhen westlich von Jaibing zwischen Taufkirchen und Dorfen) Treibjagd, bei der über 30 Hasen, an die 10 Fasanen und 2 Jäger erlegt wurden. Wenn das so weitergeht wohl ein halb Jahr – ist’s mit der Jägerei bald ziemlich gar, nicht weil das Wild ausgeht, sondern die Jäger. Die Sache mit den verfluchten Spritzschroten läuft immer noch glimpflich ab, so wollen wir hoffen, dass einige unserer Nimrode den heurigen Winter überleben werden. Sonst fressen uns einmal die Hasen die Füße an, wie sie es heute nur bei den Obstbäumen machen. Bleibt noch zu erwähnen, dass hinter dieser Glosse der bekannte Schriftsteller Josef Martin Bauer aus Dorfen steckte.
Die Jäger des Erdinger und des Dorfener Jägervereins machten in der Wirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre noch einige schwere Zeiten durch, als fast niemand mehr die Jagdpachten zahlen konnte und dann ging mit dem Beginn des 3. Reiches die Zeit der Jagdvereine zu Ende und alle Jäger wurden Zwangsmitglieder in der Kreisjägerschaft Erding, deren Kreisjägermeister Josef Schödlbauer aus Dorfen wurde. Jahreshauptversammlungen wurden von Kreisappelle der Jägerschaft abgelöst und die Jagdschießen von Pflichtschießen. Die Politisierung der Jagd ging so weit, dass 1938 nach § 28 Ziffer 4 des Reichsjagdgesetzes Juden keinen Jagdschein mehr lösen durften. Aber das 1000-jährige Reich dauerte nur 12 Jahre und endete im Chaos, auch für die Jagd und die Wildbestände. Nach dem Kriege begannen dann die Jäger im Landkreis Erding relativ früh, noch bevor die deutschen Jäger wieder auf die Jagd gehen durften, damit, sich wieder zu organisieren und es entstand unter tüchtigen Vorsitzenden die Organisation, die auch heute noch das jagdliche Geschehen im Landkreis bestimmt und der fast alle Jäger in Landkreis angehören, der Kreisjagverband Erding.

Johann Georg von Dillis zum 250. Geburtstag

Im Jahre 2009 feiern die Stadt Dorfen und die Pfarrgemeinde Schwindkirchen den 250. Geburtstag eines ihrer berühmtesten und bedeutendsten Söhne.

Johann Georg Dillis wurde am 26. 12.1759 im Jagerhaus in Gmain bei Schwindkirchen geboren. Er war der Sohn des Kurfürstlichen Jägers Wolfgang Dillis und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Hauspfleger aus Grüngiebing. Schon 1765 kam der kleine Georg nach München auf die Jesuitenschule (heute Wilhelmsgymnasium am Max II. Denkmal). Möglich war das, weil der Kurfürst Max III. Josef die kinderreiche Familie unterstützte. Gerade als Dillis mit der Schule fertig war, starb der Kurfürst und vom neuen Kurfürsten Karl Theodor gab es keine Unterstützung. So studierte Dillis in Ingolstadt Theologie und wurde 1782 zum Priester geweiht. Zurück in München nahm er Zeichenunterricht an der Akademie und erteile seinerseits den Kindern adeliger Familien Zeichenunterricht. So fand er Eingang in höfische Kreise und erhielt 1786 Dispens von seinem kirchlichen Amt. Als malender und zeichnender Begleiter unternahm er Reisen mit den Grafen Rumford oder Preysing. 1790 wurde er zum Inspektor an der Kurfürstlichen Bildergalerie ernannt und schon 1796 und wieder 1800 musste er die wertvollsten Bilder der Galerie vor den anrückenden Franzosen im Ausland in Sicherheit bringen. 1803 wurde er damit beauftragt, die wichtigsten Kunstwerke in den aufgelösten Klöstern für den Bayerischen Staat auszusuchen und zu beschlagnahmen. Das wurde und wird ihm sehr übel genommen, aber ohne die Beschlagnahem wären die meisten Kunstwerke verloren gewesen. Zur damaligen Zeit fertigte er viele Bilder Bayerischer Volkstrachten an mit genauer Angabe von Zeit und Ort. Diese Aquarelle sind heute eine wichtige Quelle der Trachtenforschung. Dillis unternahm viele Reisen, besonders nach Italien und eignete sich dabei wertvolle Kenntnisse auf dem Gebiet der Kunst an. Schon bald war er Vertrauter des Bayerischen Kronprinzen Ludwig, dem späteren König Ludwig I. Für ihn suchte er in ganz Europa wertvolle Kunstwerke, die der Kronprinz dann kaufte. So kam das Gemälde der Maria Tempi von Raffael nach München, die Bilder der Sammlung des Fürsten Oettingen – Wallerstein oder die altdeutschen Bilder der Sammlung Boisseree. Von der Familie Bevilaqua erwarb er viele antike Büsten und der Transport des Barberinischen Fauns nach München wurde auch von ihm organisiert. Wo Dillis weilte, das besichtigte er alle Galerien und Museen um wichtig Erkenntnisse zu gewinnen, die dann in der Bau der Münchner Alten Pinakothek einflossen, die er zusammen mit Leo von Klenze plante und deren erster Direktor er 1836 wurde. Inzwischen war er zum „Centralgaleriedirektor“ ernannt worden. Er wurde mit mehreren Orden ausgezeichnet und in den persönlichen Adelsstand erhoben. 1841 starb er in hohem Alter und bis zuletzt unermüdlich tätig für die Kunst und seinen Souverän, den kunstsinnigen König Ludwig I.. Begraben ist er auf dem Alten Südlichen Friedhof in München.

Das ist aber nur eine Seite der Persönlichkeit des Johann Georg von Dillis. Er war auch noch ein bedeutender Maler und Zeichner. So schuf er repräsentative Ölgemälde, Aquarelle in leuchtenden, freundliche Farben und treffsichere Zeichnungen. Als er etwa den Kronprinzen Ludwig 1817/18 auf einer Italienreise begleitete, da entstand eine ganze Serie von Aquarellen der schönsten Ansichten aus Italien. Dabei entstanden auch seien drei berühmten Ansichten von Rom, die heute in der Schackgalerie in München in der Prinzregentenstraße hängen und von denen lange Zeit nicht bekannt war, dass sie von Dillis stammen; so sehr war Dillis zeitweise vergessen. Das Besondere an seinem künstlerischen Werk ist die Tatsache, dass er als Maler seiner Zeit weit voraus war. Beeinflusst von Claude Lorraine und englischen Malern entwickelte er sich zu einem Landschaftsmaler mit ganz modernen Ansichten. Bis zu seiner Zeit war die Landschaft vielfach auf den Bildern nur Kulisse für die eigentlichen Themen der Bilder. Dillis machte nun die Landschaft selbst zum Thema seiner Bilder. Ein Baum, ein alter Bauernhof, eine Almhütte als Sujet eines Bildes, das war damals unerhört und brachte ihm auch Kritik ein. Heute aber wissen wir längst, wie fortschrittlich er damit war; schließlich gilt er als Begründer und wichtiger Vertreter der berühmten Schule der Münchener Landschaftsmaler. So wurde er zu Recht als bedeutender „Künstler und Museumsmann“ (Waldemar Lessing) bezeichnet und es gab bereits mehrere Ausstellungen, die sein Werk vorstellten. In Schwindkirchen soll nun in einer Dilliswoche sein Andenken geehrt werden. Nach der Eröffnung der Dilliswoche am 17.10.2009 um 20.30 Uhr im Wolfgang-Meier-Haus in Schwindkirchen wird seiner am 18.10 um 8.30 Uhr in der Pfarrkirche Schwindkirchen mit einer feierlichen Orchestermesse des Kirchenchores Schwindkirchen gedacht. Am 19.10. um 1930 Uhr, ebenfalls im Wolfgang-Meier-Haus, Berichtet Alois Lehrhuber, ehemaliger Schulleiter in Schwindkirchen und profunder Dilliskenner, über das Leben des Georg von Dillis und am 21.10. um 20.15 Uhr führt Anton Empl, Kunstlehrer am Gymnasium Dorfen, in die Welt der Bilder von Dillis ein. Die ganze Woche über ist im Wolfgang-Meier–Haus eine Ausstellung über Leben und Werk des Georg von Dillis zu sehen. Besichtigungen und Führungen können über Tel. 08082-226980 Pfarrbüro Schwindkirchen vereinbart werden.

Franz Streibl

Dillisbild Stadtarchiv

Vaterhaus früher

Vaterhaus bis 1955

Der historische Kreis Dorfen hat eine neue Homepage!

Am 5.12. ging die neue Seite des historischen Kreises online!
Die alte Seite ist noch bis auf weiteres zu finden unter:
http://www.alt.historischer-kreis.de
Alle Artikel von der alten Seite sind hier unter dem Link in der Titelleiste ‘Archiv’ zu finden.