Für Sonntag den 2.Oktober lud der Historische Kreis Dorfen zu einer kunsthistorischen Fahrt ein. Man besuchte die drei wunderschönen Kirchen von Hörgersdorf, Eschlbach und Oppolding. Geführt wurde von Franz Streibl und Anlass für diese Fahrt war der 300. Geburtstag des Dorfener Stuckateurs Anton Pader, dem die extravaganten Stuckarbeiten in den drei Kirchen zugeschrieben werden. Karl Engelmann, der 1. Vorsitzende des Historischen Kreises, war überrascht von über 60 Teilnehmern aus dem gesamten Landkreis Erding. Aber es gab auch viel zu sehen in den Kirchen. In allen drei Kirchen war der Dorfener Altarschreiner Mattias Fackler tätig mit prachtvollen Arbeiten, die noch ergänzt wurden von Schnitzarbeiten des bekannten Bildhauers Christian Jorhan. Die Marmorierer Andreas und Franz Zellner waren ebenfalls in den Kirchen tätig und überraschten besonders in Oppolding die Kunstfreunde durch ihre feinen, in ihre Marmorierungen eingearbeiteten Zeichnungen. Vielfach amüsiert und in Staunen versetzt wurden die Teilnehmer von den Arbeiten des Stuckateurs Anton Pader, der in allen drei Kirchen prachtvollen Stuck geschaffen hatte und mit originellen Einfällen in seinen Arbeiten die Kunstfreunde überraschte. Eine kleine Wanderung durch das Kohlhölzl bei strahlenden Herbstwetter und eine deftige Brotzeit beim Wirt in Hörgersberg sorgten dafür, dass der Nachmittag des Erntedanksonntags zu einem unvergesslichem Erlebnis wurde. Herzlicher Dank gebührt auch den Mesnern und Betreuern der einzelnen Kirchen, welche ihre geschmückten Gotteshäuser gerne den Besuchern aufschlossen.
Bei den Perlen des Rokoko
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Späte Ehre für einen Dorfener in Australien
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Späte Ehre für einen Dorfener in Australien
Zur Zeit (7. Mai bis 11. September 2011) findet in Sydney in Australien eine Ausstellung statt, die sich mit den Internierungslagern für Deutsche und Österreicher in Australien zur Zeit des ersten Weltkrieges befasst. Möglich wurde diese Ausstellung nur, weil sich in Dorfen bei den Familien Lipp und Kamper eine große Anzahl von Fotos erhalten haben, die Paul Dubotzki in der Zeit des Ersten Weltkrieges in diesen Lagern gemacht hatte.
Aber wie kam es dazu? Im Nationalpark New South Wales im ehemaligen Gefängnis und Internierungslager fand man einige Fotos von großer Qualität die signiert waren mit dem Namen Paul Dubotzki aus Dorfen. Die deutschstämmige Theaterwissenschaftlerin Nadine Helmi machte sich auf die Suche und kam bald auf Franz Streibl, Mitglied im Historischen Kreis von Dorfen. Der wusste, dass Frau Isolde Lipp und Frau Sieglinde Kamper Töchter von Paul Dubotzki sind. Dort entdeckte er einen Schatz an Bildern aus der Zeit der Gefangenschaft. Diese digitalisierte er mit Hilfe von Norbert Präbst und schickte sie nach Sydney. Dort war man so begeistert über das Material, dass Nadine Helmi das Kuratorium des Museums of Sydney überzeugen konnte, eine Ausstellung zum Thema der Internierungslager in Australien zur Zeit des Ersten Weltkrieges zu machen.
Aber wie kam es zu diesen Fotos aus den Lagern in Australien?
Paul Dubotzki wurde 1891 als Sohn eines Bahnbeamten in Ingolstadt geboren. Die Familie zog aber bald nach Dorfen. Dubotzki erlernte das Handwerk eines Fotografen und begleitete 1913 eine deutsche Expedition nach Südostasien. Stationen waren der Suezkanal, Indien, Indonesien, China und Japan.
Als Dubotzki in Deutsch-Neuguinea war, brach der Erste Weltkrieg aus. Die Fotos, die er dort machte, sind wohl die einzigen von diesen Ereignissen in Neuguinea

Kurz vor Kriegsausbruch fotografierte Dubotzki noch diese Urwaldgrazien, die recht skeptisch in seine Kamera schauen
Auf unbekannten Wegen gelang es Dubotzki nach Australien zu entkommen. Aber 1915 wurde er dort verhaftet und in das Internierungslager Torrens Island gebracht. Das Lager war auf einer Insel in der Bucht von Adelaide. Dort waren die Bedingungen sehr schlecht. Die Internierten waren in Zelten untergebracht und wurden von Regen, Sturm und Hochwasser geplagt. Noch mehr setzten ihnen die Schikanen der Wachmannschaften zu. Erst als die Lagerleitung wechselte, wurden die Verhältnisse besser und schon bald kamen die Internierten in das große Lager Holswothy bei Liverpool in der Nähe von Sydney. Die Internierten setzten sich aus verschiedenen Gruppen von Deutschen und Österreichern zusammen. Das waren einmal die Besatzungen von Schiffen, die sich in den Gewässern von Ostasien befanden und gefangen wurden. Dazu kamen noch deutsche Kolonialbeamte aus den deutschen Kolonien und deutsche Kaufleute aus dieser Region. Einen großen Teil der Internierten machten die deutschen Auswanderer aus, die sich in Australien niedergelassen hatten. Denen nützte es auch nichts, dass sie eingebürgert waren, sie wurden als „enemy aliens“ von ihren Familien getrennt und in die Lager gesteckt. Es kam zu so absurden Situationen, dass der Vater als Einwanderer in ein Internierungslager gesteckt wurde und die Söhne mussten als geborenen Australier in Europa gegen die Deutschen kämpfen. Das war alles eine Folge der damaligen Politik in Australien, die Angst vor einer zu starken Einwanderung aus Deutschland hatte und Australien rein „britisch“ halten wollte. Dubotzki kam als erste Station in das Lager Torrens Island, einer Insel in der Bucht von Adelaide. Die Verhältnisse dort waren schlecht und das Verhältnis zur Mannschaft der Wachesoldaten schlecht. Es wurde erst besser, als die Lagerleitung ausgewechselt wurde.

Auf die Rückseite dieses Bildes schreibt Dubotzk grimmig: „Dieser Hund wurde meistens angestellt um das Bajonett in die Weichteile der Deutschen zu setzen.“
Schon bald ging die Zeit in Torrens Island zu Ende. Alle Internierten in Australien wurden in drei Lager im Bundesstaat New South Wales gebracht. Dubotzki kam nach Holswothy im Busch bei Liverpool in der Nähe von Sydney. Dort waren bis zu 4500 Gefangene, die unter der Öde im Busch, Kälte, Staub und Regengüssen litten. Zu seinem Glück kam Dubotzki gleich weiter in das Lager Trial Bay, einem ehemaligen Gefängnis an der Tasmanischen See nördlich von Sydney. Dort waren nur 500 Gefangene, meist aus besseren Kreisen stammend. Diese gestalteten in den nächsten Jahren ein faszinierendes Lagerleben mit viel Sport, Geselligkeit und Kultur. Es gab mehrere Sportvereine, eine Lageruniversität, eine Seemannsschule, eine Malschule, ein Lagerorchester, ein Lagertheater, Gaststätten, Handwerksbetriebe und eine Lagerzeitung.. Das Lagertheater führte ein große Anzahl von Stücken auf. Darunter waren zeitgenössische Lustspiele genau so wie ernsthafte Stücke früherer Zeiten. Das ganze Lagerleben hat Dubotzki in meisterhaften Fotos festgehalten. Neben diesen beiden Lagern gab es noch ein weiteres Lager im Gefängnis der Stadt Berrima. Dort waren hauptsächlich die Offiziere der deutschen Schiffe untergebracht, die in der Südsee von Australiern oder Engländern gefangen worden waren.

Alles was die Gefangenen in Trial Bay gebastelt hatten, wurde in großen Lagerausstellungen gezeigt. Auf dem Bild sind auch Fotos zu sehen, die Dubotzki aufgenommen hatte.

Auf der Krankenstation behandelte Dr. Max Herz die Gefangenen. Er war vor seiner Internierung ein erfolgreicher und fortschrittlicher Orthopäde in Australien gewesen.

Diese Kiste mit feinen Intarsien wurde von einem Schreiner in Trial Bay hergestellt. Allerdings dienen zur Verzierung nicht florale oder geometrische Muster sondern Stacheldraht.
Besonders das Theater im Lager war für Dubotzki Anlass, sich dort als Darsteller zu betätigen und die schönsten Szenen mit seiner Kamera festzuhalten. Bewundernswert sind die Kulissen und ganz besonders die Kostüme, die mit unendlich viel Fleiß aber auch großem Können geschaffen wurden. Mit sehr viel Liebe wurden besonders die Männer ausgestattet, die Frauenrollen zu spielen hatten. Hier entstanden liebliche oder verführerische Gestalten, allerdings meist mit harten, männlichen Gesichtszügen. Die Illusion war jedenfalls so gut, dass die „Damen“ sogar „Fanpost“ bekamen. Aber auch die männliche Schönheit kam nicht zu kurz. In Kraftsportvereinen wurde eine Art von „Bodybuilding“ getrieben und deren Ergebnisse von Dubotzki festgehalten. Der Sport kam auch nicht zu kurz und es wurden sogar richtige Turnfeste mit sportlichen Wettbewerben veranstaltet.

Dieses Bild zeigt einen Blick in das Theatergebäude von Trial Bay, das von den Gefangenen errichtet wurde.

Die Gefangenen erhielten für ihre Arbeiten im Lager etwas Lohn ausbezahlt, der das ganze Wirtschaftsleben im Lager im Gang hielt. Zusätzlich konnte man sich noch Geld verdienen, wenn man zu Holzfällarbeiten oder Straßenbauarbeiten in den Busch ging.
Die beeindruckenden Bilder vom Lagerleben mit den vielen Tätigkeiten der Gefangenen und ihrer hohen Kultur dürfen natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das alles Mittel waren um das trostlose Leben erträglicher zu gestalten. Die Internierten waren aus ihren Familien oder ihren Tätigkeiten herausgerissen und auf nicht absehbare Zeit in ein Lager gesteckt worden. Heimweh, Frustration und Depressionen waren die Folge, was zu Aggressionen oder sogar zu Selbstmorden führte. Besonders wütend waren die Gefangenen in Trial Bay, als 1918 ein Gerücht auftauchte, ein deutscher Hilfskreuzer würde von der Küste lauern und die Gefangenen befreien wollen. Die australische Regierung reagierte panisch und verlegte die Insassen von Trial Bay nach dem großen Lager Holsworthy bei Liverpool Sydney. Alles was sich die Gefangenen aufgebaut hatten, mussten sie verlassen. Wütend darüber zündeten sie ihre Holzbauten am Strand an und hinterließen ein Chaos. Nur die massiven Gebäude des Gefängnisses überstanden ihren Wutausbruch. In einem gesonderten Lager in Holsworthy hielten die Internierten dann aus bis zum Ende des Krieges im November 1918. Aber erst im Laufe des Jahres 1919 begann der Rücktransport in die Heimat. Den hatten sich die Gefangenen auch anders vorgestellt, denn es ging zurück in ein besiegtes und von Revolutionen erschüttertes Deutschland. Doch selbst die Heimreise sollte noch großes Leid bringen. Die Mehrzahl der Gefangenen reiste auf dem alten Dampfer Kursk zurück und schon bald brach auf dem Schiff die gefürchtete „Spanische Grippe“ aus. Über zwanzig Heimkehrer vielen auf der Heimreise der tückischen Krankheit zum Opfer und andere kamen geschwächt und deprimiert in der Heimat an. In Australien durfte fast niemand bleiben, selbst wenn er schon lange dort Staatsbürger gewesen war.

Erschüttert stehen die Heimkehrer um den Sarg eines Grippeopfers, der gleich der See übergeben wird. Viele haben zu diesem Anlass ihre Uniformen angezogen.
Begleitend zur Ausstellung haben die Theaterwissenschaftlerin Nadine Helmi und der Professor für Germanistik an der Universität von New South Wales, Gerhard Fische, ein Buch in englischer Sprache herausgegeben, das sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und viele Bilder enthält, die meisten von Paul Dubotzki. Die beiden hatten 2007 erstmals Bilder von Paul Dubotzki in Australien entdeckt und gleich deren hohe Qualität und historische Bedeutung erkannt. Sie kamen in Kontakt mit Franz Streibl aus Dorfen, der bei den Töchtern von Paul Dubotzki eine große Anzahl der Bilder entdeckte und diese nach Australien schickte. Dadurch wurden sie in der Überzeugung bestärkt, dass mit diesem Material eine Ausstellung über die Internierungslager in Australien während des ersten Weltkrieges gestaltet werden könne. Sie konnten die Leitung des Museum of Sydney davon überzeugen und so kam es dann auch zur Ausstellung, die später auch einmal in Deutschland gezeigt werden könnte, falls daran Interesse besteht. Zu bestellen ist das Begleitbuch auch bei der Dorfener Buchhandlung unter ISBN: 9 781 74223 264 5
Zu den Perlen des Rokoko im Erdinger Land
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Am Sonntag den 2. Oktober besucht der Historische Kreis Dorfen die drei Kirchen von Hörgersdorf, Eschelbach und Oppolding. Anlass für diese Fahrt ist der 300. Geburtstag von Anton Pader aus Dorfen, dem die extravaganten Stuckaturen in den Kirchen zugeschrieben werden. Diese drei Kirchen sind wahre Perlen des Rokoko in denen neben Pader auch die Spitzenkünstler Matthias Fackler, Georg und Franz Zellner sowie Christian Jorhan tätig waren. Geführt wird in den Kirchen von Franz Streibl und ein einmaliger Kunstgenuss ist garantiert. Zwischen den Kirchenbesuchen sind noch kleine Wanderungen durch die schöne Gegend des Erdinger Holzlandes vorgesehen.
Geplant ist folgender Ablauf: Abfahrt um 13.00 Uhr am Volksfestplatz in Dorfen mit einem Bus (Unkostenbeitrag 7,00 €), Besichtigung der Kirche in Hörgersdorf, Weiterfahrt nach Hörgersberg und von dort Wanderung durch das Kohlholz nach Eschelbach, Besichtigung der ehemaligen Pfarrkirche Eschelbach, Wanderung nach Oppolding und Besichtigung der dortigen Kirche, Rückfahrt mit dem Bus nach Hörgersberg und nach einer zünftigen Brotzeit Rückfahrt nach Dorfen, ca. 18.30 Uhr.













